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Zölle mit fadem Beigeschmack: Wenn die Altersvorsorge zu bröckeln beginnt, verliert Donald Trump seinen Heiligenstatus!  

Kommentar zum Artikel „Trumps Zölle: Erinnerungen an 1930 werden wach“ (aus: „Tagesschau“ vom 04.04.2025)

Die Begeisterung im rechten Lager war riesig, als Donald Trump die Präsidentschaftswahlen gewann. Denn nachdem mit Joe Biden ein äußerst links geprägter Amtsvorgänger im Weißen Haus weder auf die heimische Ökonomie geachtet hatte, noch das Problem der illegalen Migration konsequent anging, sah man auch in Europa das Vorbild eines Republikaners, der sich mit Vehemenz für die Interessen des eigenen Volkes und der ansässigen Unternehmen einsetzen würde. Die Sehnsucht und Erwartung stiegen ins Uferlose, dass er nicht nur „America great again“ machen würde. Sondern auch einen Impuls in Richtung unserer Breiten schickt, endlich wieder an Souveränität und Stärke zu arbeiten. Viel zu lange hat sich der hiesige Kontinent auf die Unterstützung eines transatlantischen Bündnisses verlassen, welches nicht nur in der sicherheitspolitischen Agenda vom prinzipiellen Wohlwollen getragen ist, dass Washington aus seiner Verantwortung als Weltmacht dafür Sorge trägt, auch die Nationen diesseits des großen Teiches vor etwaigen Gefahren aus dem Osten zu schützen. Es mangelte an der Bereitschaft und dem Engagement, explizit von Deutschland, selbst Investitionen in mehr Individualität und Unabhängigkeit zu tätigen. Schließlich konnte man sich aus der historischen Gegebenheit nicht vorstellen, im Wertewesten einmal alleine dazustehen. Und so ist es ein böses Erwachen aus plumper Einfalt und subtiler Hoffnung, immer einen Partner an seiner Seite zu haben, wenn bei vermeintlichen Freunden plötzlich Tatsachen geschaffen werden.

Wir leben in einem Zeitalter, in dem sich Verhältnisse grundlegend ändern können. Und da braucht es auch nicht viel an Fantasie, um sich eine Situation auszumalen, wie sie nun durch den eröffneten Handelskrieg entstanden ist. Was in der Debatte häufig vergessen wird: Es ist nicht der 78-Jährige im Oval Office, der das Instrument der Zölle erfand, um im Geiste des Protektionismus die Geschäfte innerhalb eines nach außen hin abgeschlossenen Konstrukts wieder in Gang zu setzen. Letztlich stellt der aktuelle Schritt nur eine Reaktion auf frühere Entschlüsse auch von Seiten der EU dar, Waren entsprechend zu verteuern, um so weit verzweigte Betriebe zu zwingen, ihre beispielsweise in China gelegenen Standorte für Produktion und Dienstleistungen wieder zurückzuverlegen. Dass der Multimilliardär allerdings mit einer für den planbaren Internationalismus toxischen Willkür vorgegangen ist, als er die nunmehr Angst und Schrecken verbreitenden Prozente an Strafgebühren in seinem Dekret ziemlich beliebig festsetze, dürften ihm vor allem die Kleinanleger übelnehmen. Denn es war durchaus abzusehen, dass die Börsen angesichts des massiven Eingriffs in die freien Märkte mit Schockwellen reagieren würden. Und so schmelzen die Altersvorsorge und Unsummen an Erspartem von Florida bis New York dahin, weil sich der durchaus für seine narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen bekannte Bauindustrielle von außen nicht nur ungerecht behandelt fühlt, sondern aus Verbündeten Gegner macht.

Plötzlich beginnen sogar bei jenen in den sozialen Medien die Gesichtszüge zu entgleiten, die gar nicht genug bekommen konnten von einer Euphorie über die Ankündigung, der ehemalige Showmaster werde sich gegen die Globalisierung stellen. Da werden Zeter und Mordio geschrien, denn auch der in seinem Profil das Sternenbanner hervorhebende Verbraucher in Paris, Berlin und Wien blickt ungläubig in sein Depot, purzeln doch die Kurse in ungeahnte Tiefen. Wer sich mit Haut und Haar dem Patriotismus verschreibt, muss im Zweifel auch sämtliche Kollateralschäden hinnehmen, die durch das Zerstören von Liquidität auf dem Parkett entstehen. Oftmals scheint nicht klar zu sein, dass Isolation und Autarkie stets dazu nötigen, individuell nachrüsten zu müssen. Das gilt sowohl in militärischen wie auch wirtschaftlichen Belangen. Immer wieder treffen uns Entschlüsse der großen Mächte mit Wucht, sind wir noch immer in Naivität und Vertrauen begriffen, dass uns Dritte bei Bedarf schon irgendwie aus der Klemme helfen werden. Doch diese Epoche der Gutgläubigkeit sollte für beendet erklärt werden, wollen wir zumindest noch Überreste dessen retten, was ein stark steigendes Angebot und eine rapide fallende Nachfrage an Vermögen verbrennen. Gegenmaßnahmen sind legitim und angebracht, um die prinzipielle Frage auch an die US-Administration aufzuwerfen, ob es tatsächlich zum Ziel führt, ausgerechnet während schwelender Konflikte an allen Ecken und Ende in eine Dekade der Wettbewerbsverzerrung einzutreten.

Autor: Dennis Riehle